Feindbild Atheismus

Seit längerer Zeit ist offensichtlich, daß der Atheismus wieder mal als Feindbild für die großen Kirchen in Deutschland herhalten muß. Anstelle von guten Argumenten wird von verschiedenen Angehörigen der Großkirchen die Wortwahl gegenüber Atheisten weiterhin verschärft (Atheologie.de). Man könnte vermuten, daß den Kirchen an einer sachlichen Debatte nicht mehr gelegen ist.Der letzte Hieb stammt von der Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner, die von einem  „selbstbewussten bis militanten Atheismus“ spricht (epv.de). Ich sehe sie förmlich vor mir, die militanten Atheisten, die in Tarnanzügen durch die oberfränkischen Wälder robben und wehrsportlichen Ertüchtigungen nachgehen.

Über Frau Greiners Kontaktformular habe ich folgende Frage an die Bischöfin gestellt:

„Sehr geehrte Frau Greiner,

mit Befremden habe ich in der Presse gelesen, daß Sie die aktuellen Strömungen des Atheismus als „militant“ bezeichnen. Könnten Sie mir näher erläutern, wie Sie zu dieser Bewertung kommen?
Wikipedia.de definiert Militanz: „Militanz bezeichnet eine kriegerische Haltung, ein aggressives Auftreten oder eine physische oder verbale Gewaltbereitschaft von Personen und Gruppen im Kampf für politische oder religiöse Überzeugungen“.
Könnten Sie erläutern, inwiefern Sie anhand der aktuellen Diskussionen eine kriegerische Haltung, Agressivität oder Gewaltbereitschaft der Atheisten nachweisen?“

Ergänzung (20.03.2010): Frau Greiner hat mir in einem Schreiben, datiert auf den 04.02.2010, geantwortet. Sie schreibt, es liege ihr fern, „Formen des Atheismus als kriegerisch oder gewaltbereit zu charakterisieren“. Ferner erläutert sie, was sie mit „selbstbewussten bis militanten Atheismus“ meint: „Personen mit stark verfestigter Meinung“ sowie „kämpferisch“. Ich bedanke mich bei Frau Greiner für die Stellungnahme.

Solarbibeln für Haiti

Was brauchen die Menschen in Haiti am dringendsten? Recht und Ordnung? Wasser? Lebensmittel? Medikamente? Nein! Solarbetriebene Audiobibeln (reuters)! Genauso hilfreich wäre natürlich ein Breitbandinternetanschluß, um die Audiobibeln des Projektes „Faith Comes by Hearing“ direkt herunterladen zu können. Und wenn unsere Soldaten in fernen Ländern weilen,dann können sie mittels des „Bible Sticks“ sicherlich auch gleich das Evangelium verbreiten!

Die Großkirchen und das Erdbeben in Haiti

Durch ein schweres Erdbeben am 13. Januar 2010 wurden in Haiti offensichtlich mehr als 100 000 Menschen getötet. Das Ausmaß dieser Tragödie kann man als einzelner Mensch wohl nicht vollständig erfassen. Nach dem Beben zeigt sich die internationale Gemeinschaft solidarisch und versucht den Opfern zu helfen.

Es fällt schwer, angesichts dieses Unglücks kritisch zu reflektieren, wie die Kirchen tatsächlich helfen. Fundiert kann man dies wohl erst im Nachhinein tun, ich wollte mir aber dennoch einen ersten Eindruck mittels einer Internetrecherche verschaffen, die sich auf die katholische und evangelische Kirche konzentriert.

Die evangelische Kirche berichtet auf ihrem Internetportal ausführlich in mehreren Artikeln über die Katastrophe und ruft zu Spenden auf. Der Auslöser für diesen Blogeintrag war ein etwas seltsamer Artikel: Würdige Trauerfeiern für Erdbebenopfer (evangelisch.de). Hier wird, vom evangelischen Pressedienst, Markus Graulich vom obersten vatikanischen Gerichtshof zitiert: „Auch im Katastrophenfall müsse für jeden Verstorbenen ein ‚würdiges Begräbnis‘ garantiert werden, sagte Markus Graulich von der Apostolischen Signatur, dem Obersten vatikanischen Gerichtshof, dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Rom. Laut Kirchenrecht sind Beisetzungen ’nach den Maßgaben der liturgischen Gesetze zu feiern‘.“ Und weiter: „Zur kirchlichen Mindestanforderung gehören nach seinen Worten zudem eine Segnung des Grabes, ein Verabschiedungsritus, der an die Taufe erinnert, und die Erinnerung an die Vergänglichkeit des Menschen. Die große Mehrheit der Haitianer ist katholischen Glaubens.“

Wenn man den Berichterstattungen über das Chaos in Haiti glauben darf, dann mutet es zynisch an, darüber zu diskutieren, wie der minimale Ritus für ein Begräbnis auszusehen hat. Man sollte sich zuerst um die lebenden kümmern!

Natürlich rufen die Kirchen zur Hilfe auf, auch auf evangelisch.de finden sich Spendenaufrufe.

Die meisten Haitianer sind Katholiken, dementsprechend fanden sich in meiner Recherche mehr Webseiten, die sich von der katholischen Seite mit dem Unglück beschäftigen. Offensichtlich sind viele kirchliche Mitarbeiter unter den Toten.

Wie hilft die katholische Kirche? Stellt der Vatikan Geldmittel zur Verfügung? Zum einen über die Caritas-Organisation (Radio Vatikan). Der Papst hat auch schnell das Engagement der kirchlichen Hilfswerke zugesichert (Kipa-Apic.ch). Sicherlich retten diese Hilfswerke Menschenleben in Haiti. Nur, die Kirchenquote, also der Anteil der Gelder, die von der katholischen Kirche geleistet wird, liegt bei unter 2% (Carsten Frerk). Dies sind also Gelder, die von den Gläubigen oder von staatlichen Zuwendungen stammen. Die katholische Kirche leistet also selbst nichts – außer dem Aufruf zur Spende. Wie hilft die katholische Kirche noch? Durch den Aufruf des Papstes zu Gebeten und zur „konkrete[n] Solidarität“ (domradio.de)? Durch eine Messe in Rom (Radio Vatikan)?

In meiner Internetrecherche bin ich auf Artikel gestoßen, die zeigen, wie engagiert die kirchlichen Hilfsorganisationen zu Werke gegen (z.B. www.katholisch.de) . Dafür meinen großen Respekt. Ich konnte aber keinen Hinweis darauf finden, daß die katholische Kirche selbst Gelder in nennenswertem Umfang zur Verfügung gestellt hat (über Hinweise bin ich dankbar!). Und die evangelische Kirche? Wird hier mehr getan als gebetet und zu Spenden aufgerufen, wie Frau Käßmann auf evangelisch.de? Nun, zumindest eine Landeskirche, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, leistet direkt monetäre Hilfe (ekd.de), aus meiner Sicht ein kleiner Lichtblick.

Als erste Zusammenfassung sehe ich, daß die Solidarität mit den Opfern des Erbebens zu Anteilnahme und Spenden in der Bevölkerung führt. Konkrete, monetäre Hilfsmaßnahmen der katholischen Kirche konnte ich bisher nicht aufspüren, einen Hinweis auf eine monetäre Hilfe einer evangelischen Landeskirche konnte ich im WWW finden. Es ist natürlich möglich, daß sich dies in den nächsten Tagen noch ändert, und weitere Zuwendungen von den Kirchen zur Verfügung gestellt werden, z.B. gerade von der katholischen Kirche, deren Kapital weltweit wahrscheinlich gar nicht abgeschätzt werden kann. Größtenteils beschränken sich die Hilfen der Großkirchen also auf Beten und Appelle zur Solidarität.

 Ergänzung am 18.01.2010: Inzwischen haben auch zwei katholische Bistümer, Köln und Limnburg, monetäre Hilfe zugesagt (domradio.de).

 

Dem Schweizer seine Minarette, dem Ägypter seine Fußballer

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, dürfe n in der ägyptischen Fußballnationalmannschaft auf Geheiß des Trainers Hassan Schehata nur noch gläubige Muslime spielen. Tomas Avenarius schreibt: „Mohammed Zidan, der bei Borussia Dortmund unter Vertrag steht […] stand dabei [beim gemeinsamen Beten auf dem Rasen] immer gelangweilt am Rand. Das hat den Trainer zu einem mahnenden, geistlich-sportlichen Zweiergespräch bewogen: Seit dem Treffen betet auch Zidan öffentlich […]“. Es ist doch immer wieder schön, wenn Menschen freiwillig zum Glauben finden; manchmal hilft offensichtlich auch ein überzeigender Fußballtrainer. Beim nächsten Duell mit einer christlichen Mannschaft kann dann endlich entschieden werden, ob Gott oder Allah der stärkere ist – mashallah!

Photo: Creative Commons License, Picasa/Moritz

Kirche segnet Mobiltelefone, Notebooks und Atheistentüren

C+M+BDaß die Kirche alles segnet, was sie unter die Finger bekommt, ist bekannt. Nun, vielleicht abgesehen von eingetragenen, homosexuellen Partnerschaften (Spiegel Online). Sogar die Tür des Hauses, in dem sich meine Mietwohnung befindet, wurde Anfang dieses Jahres, ohne mein Wissen, von rudimentär als Könige verkleideten Jugendlichen mit christlichen Segenszeichen bemalt. Neu ist, daß nun, zumindest in England, auch elektronische Geräte gesegnet (pro-medienmagazin) werden. Vikar David Porrett, der die Segnungen vornahm, begründet: „Mögen diese Telefone und Computer, Symbole moderner Kommunikation, uns erinnern an Gott, der mit uns kommuniziert. Amen.“ Er wünscht „Mögen unsere Worte milde, unsere E-Mails einfach und unsere Webseiten leichter zugänglich sein“. Vom pro-medienmagazin ernst genommen, hat zumindest die Tagesschau die innere Ironie dieser Segnung erkannt und zu einem Schlußlicht erkoren. Vielleicht ist im Schlußsatz des pro-medienmagazins doch auch etwas Ironie spürbar: „Wie die Nachrichtenagentur APN meldet, werde damit das umgesetzt was viele ‚E-Mail-Abhängige und Workaholics täglich innerlich ohnehin tun‘.“ In diesem Sinne – vielleicht sollte ich auch meinen eigenen Rechner und Monitor segnen lassen, um die Blasphemie fernzuhalten?

Bayerischer Rundfunk: Milltianter und kämpferischer Atheismus

In den letzten Jahren konnte man feststellen, daß es selbst im bayerischen Rundfunk nicht immer nur christlich und christsozial zugehen muß. Im Gegenteil, z.B. mit „Quer“ von Christoph Süß gibt es aufgewecktes, frisches Fernsehen.

Allerdings gibt es im Bayerischen Rundfunk auch die Sendung „Katholische Welt“. Hans-Joachim Türk hat am 3. Januar 2010 auf Bayern 2 (Mediathek, Skript ) einen Beitrag zur „Wiederkehr des klassischen Atheismus“ veröffentlicht, der keinen Zweifel an dem Standpunkt der Sendung läßt: Pro Kirche, kontra Atheismus. Nun ist die Stellungnahme für die Kirche prinzipiell natürlich in Ordnung; der Beitrag von Hans-Joachim Türk stößt allerdings durch seine polemische Machart auf. Schon der Titel “Wiederkehr des klassischen Atheismus“ unterstellt, daß der Atheismus „abwesend“ gewesen sei. Tatsächlich ist es eher so, daß in den letzten Jahrzehnten das Thema Religion für viele Konfessionslose, Agnostiker und Atheisten nicht interessant war. Erst mit dem (scheinbaren?) Aufblühen von Religiosität auch im säkularen Europa tritt daher atheistisches Gedankengut wieder in die Schlagzeilen. Vorher hat es wohl schlicht und einfach niemand für nötig gehalten, Offensichtliches zu nennen.

Der Beitrag beginnt mit der Erwähnung von „kämpferischen Atheistenverbänden“. Schön. Wieder ein neues Attribut, neben „aggressiv“ und „militant“ nun „kämpferisch“. Aber ich muß zugeben – passend. Aber auch Türk verwendet später in seinem Beitrag das unterstellende Attribut „militant“. Militant mögen Gotteskämpfer sein, die Unschuldige durch Selbstmordattentate ermorden. Atheisten, die einzig öffentlich und eindeutig für ihr Weltbild eintreten, als „militant“ zu bezeichnen, ist eine böswillige Unterstellung.

Hans-Joachim Türk behauptet, daß die Zahl der Atheistenvereine und „bekennende[n] Atheisten“  „erheblich“ zurückgegangen sei. Was ist ein „bekennender Atheist“?  Der Autor unterstellt, daß durch ein mangelndes öffentliches Bekenntnis zu einem Weltbild die Zahl der Unterstützer zurückgegangen sei. Wie oben geschrieben – dies kann auch daran liegen, daß niemand die Notwendigkeit einer öffentlichen Diskussion sah, da das Thema als erledigt schien.

Im folgenden zieht Hans-Joachim Türk über Richard Dawkins her. Er sieht in Dawkins eine Erklärung für die aktuellen Diskussionen zum Atheismus. So sehr ich Dawkins’ Meinung und seine Veröffentlichungen gutheiße und unterstütze: dies ist eine Unterschlagung vielen aktiven Atheisten und Agnostikern auch in Deutschland, nicht zu vergessen die Verbände der Konfessionslosen. Ohne Deschner und Schmidt-Salomon wäre die deutsche atheistische Landschaft heute nicht das, was sie ist.

Türk zitiert Herbert Schnädelbach: „Bei näherem Hinsehen erweist sich ‚Atheismus‘ als ein ziemlich undeutlicher Sammelbegriff, und darum fällt es schwer, ihn durch eine einfache Definition zu fassen. Manchmal trifft man noch auf die Vorstellung, die Atheisten seien Gegner Gottes, also Anti-Theisten, aber das ist ein Widerspruch, denn um gegen etwas sein zu können, muß man voraussetzen, daß es existiert. Das führt zu der erheiternden Erkenntnis, daß es eigentlich keine Atheisten gäbe, wenn es Gott nicht gäbe.“

Hach, wie spaßig. Offensichtlich versteht Türk die aktuellen Absichten der Konfessionslosen nicht: Es geht nicht um ein Vertreiben der Religionen, sondern für den Erhalt aufklärerischen, rationalen Gedankenguts.

Türk führt weiterhin Robert Spaemann an, nach dessen Ansicht die Beweislast für die Nichtexistenz eines Gottes bei den Atheisten liegt. Auch gut. Dann soll die katholische Kirche doch mal beweisen, daß Zeus, die Offenbarung der Mormonen, Cargo-Kulte und der große Arkelanfall falsche Konstrukte sind (ok, ich darf doch auch mal polemisch sein 😉 ).

Seitens einer empirischen Weltsicht ist jedoch eindeutig: wer eine Theorie aufstellt, muß diese auch mit guten Argumenten und Daten belegen. Ohne diese Vorgehensweise können wir Diskussionen gleich von vornherein vergessen.

In einem Absatz geht Türk kurz auf den „kämpferischen Kreationismus“ ein. Schön – nicht nur die Atheisten sind kämpferisch. Aber die Wortwahl suggeriert natürlich: Atheisten und Kreationisten – das sind doch alles die gleiche Brut. Aber halt – Atheisten sind ja auch „militant“ – uns muß man also mehr fürchten!

Dem Autor zu Gute halten muß man, daß er eine wörtliche Interpretation von Glaubensinhalten ablehnt. Für ihn können Religion und Naturwissenschaft parallel existieren. Dies ist in meinen Augen ein durchaus pragmatisches Weltbild. Allerdings kann ich dem nicht zustimmen: Jede Religion, die an mindestens einen Gott glaubt, lebt davon, daß dieser Gott, auf welche Art und Weise auch immer, in das Weltgeschehen eingreift. Tut er dies nicht, ist er schlichtweg überflüssig. Tut er es aber, handelt er im Widerspruch zu den Naturgesetzen. Eine strikte Trennung von Glaube und Wissenschaft ist also zwar eine gute Lösung, um eine gemeinsame, friedvolle Basis für gemeinsames ethisches Handeln zu finden, letztendlich ist eine solche Trennung allerdings generell nicht möglich.

Der Autor des Beitrags geht auch auf das Theodizeeproblem ein: woher stammt das „Böse“ in der Welt? Er zitiert hierzu Gerhard Lohfink:

„Ist mit Auschwitz die Gottesfrage nicht eben doch erledigt? Hätte Gott – wenn es ihn gibt – nicht das Schicksal der wehrlosen Kinder, Frauen und Greise, die in die Gaskammern getrieben wurden, das Herz zerreißen müssen? […] Die Antwort kann nur lauten: Gott handelt durch Menschen. Durch Menschen, die an ihn glauben, die von seinem Geist ergriffen sind und vor Diktatoren keine Angst mehr haben. Leider waren es zu wenige, die auf diese Weise Gott handeln ließen. Hat also Gott nicht gehandelt? Nein, die Christen in Deutschland haben in ihrer Mehrheit nicht gehandelt. Hat Gott geschwiegen? Nein, die Christen haben geschwiegen.“

Ohne das Türk es merkt, hat er in seiner Argumentationskette der Religion die Basis entzogen: Ein in die Welt eingreifender Gott steht im Gegensatz zu einem naturwissenschaftlichen Weltbild. Das „Böse“ entsteht letztendlich nur durch die Weigerung der Menschen, an „Gott“ zu glauben und in seinem Sinne zu handeln. „Gott“ ist also nur noch ein abstrakter Gedanke, der selbst nicht fähig ist zu handeln. In der Konsequenz kann man den Gottesbegriff also gleich komplett fallen lassen.

Türk zitiert die „Doppelfrage“ des Boethius „“Wenn es Gott gibt, woher Übles und Böses? Wenn es Gott nicht gibt, woher das Gute?“ und gibt seine Antworten:

„Auf die erste Frage lautet die theoretische Antwort: Ich weiß es nicht. Auf die zweite aber gibt es eine andere Antwort: Wenn kein Gott ist, dann gibt es letztlich kein Gutes, vor allem für die Zu-kurz-Gekommenen, die Erniedrigten, Gemarterten, die Toten. […] Mit der Leugnung Gottes verschwindet der Adressat des Protestes, den der biblische Glaube bekennt. Die Anklage hat kein Gegenüber, sie wird zur bloßen Klage.“

Bei aller Kritik an Türks Beitrag: bis hierher war die Argumentationskette einigermaßen logisch begründet. Nun jedoch beendet er sein Skript mit dem Schluß, Gott müsse existieren, damit man einen Adressaten für eine Klage haben. Nun, das ist schon etwas schwach als Grund für die Existenz eines Gottes.

Der Schluß von Türks Text enthält nur noch religiöses Einerlei ohne jegliche eigentliche Aussage: „Gott aber ist in der Anklage gegenwärtig, in Jesus ist sie ohnmächtig und mächtig zugleich, weil er sich von Leid, Bosheit und Tod hat persönlich treffen lassen, wie in dem Lanzenstoß am Kreuz. Dabei ist er Gott geblieben und hat Auferstehung aus dem Tod und aus aller Bosheit verwirklicht und auch für uns als Ziel der Schöpfung verheißen. Damit hat er die Verantwortung übernommen dafür, daß die Schöpfung so ist, wie sie ist, unbegreiflich und doch voller Erwartung und Hoffnung auf eine endgültige Macht und Liebe, deren Vereinbarkeit wir jetzt noch nicht begreifen können, die uns aber zugesagt ist.“… Amen möchte man sagen.

In der deutschen Medienlandschaft kann man eine zunehmende Verschärfung der Argumentation gegen Atheisten und Agnostiker feststellen. Türk mit seinem Beitrag im bayerischen Rundfunk ist hier nur einer von vielen, der auf demagogische Art und Weise den Konfessionslosen unterstellt, kämpferisch und sogar militant zu sein, um damit atheistische und agnostische Menschen im Ansehen der Gesellschaft zu diskreditieren. In meinen Augen ist dies schlicht und einfach schlechter Stil. Aber es funktioniert leider in den dafür empfänglichen Kreisen der Bevölkerung.