Diskussion über Berichte zu „Jugend mit einer Mission“

Der Panoramabericht in der ARD zur Evangelikalen Mission der „Jugend mit einer Mission“ wurde hier im Blog schon erwähnt. Schon im August gab es einen Beitrag von Frontal 21 im ZDF, der nun vom ZDF-Fernsehrat gerügt wurde. Aber auch hier wurde von Kirchenamtspräsident Hermann Barth klargestellt, daß es sich bei  «Jugend mit einer Mission»  um eine «problematische Organisation» handele. Diese Meinung wird offensichtlich auch von  Sachsens Landesbischof Jochen Bohl geteilt, der sich von dieser Organisation distanziert hat. In diesem Zusammenhang ist natürlich auch zu Hinterfragen, warum in den Fernsehräten nur die Kirchen, nicht jedoch Vertreter der konfessionslosen Vereinigungen beteiligt sind.

Hier noch der Bericht des Magazins Frontal 21, der nach dem Mord an den beiden Bibelschülerinnen im Jemen gesendet wurde:

Humanismus ist keine Privatsache – Reinhard Marx im Bayerischen Landtag

Reinhard Marx, Bischof von München und Freising, durfte einen Vortrag im Bayerischen Landtag halten. Hier meine Antwort darauf:

Eine humanistische Weltanschauung ist keine Privatsache, sonReinhard Marxdern eine öffentliche Angelegenheit, denn sie trägt zur Grundlage von Staat und Gesellschaft bei. Die Idee einer positiven Neutralität des Staates gegenüber einer humanistischen Bildung wendet sich gegen die Gefahr im Rechtsstaat, auf Religionen als vermeintliche Sinnstifter angewiesen zu sein.

Der freiheitliche Verfassungsstaat ist auf eine freie, aufgeklärte, humanistische Weltanschauung angewiesen, denn diese schafft dessen Wertebasis. Die weltanschauliche Neutralität des Staates meint keineswegs eine Wertneutralität des Staates.

Humanistische Weltanschauung und Staat sind aufeinander bezogen zu betrachten. Das stellt ihre Trennung jedoch nicht in Frage. Die weltanschauliche Neutralität des Staates ist vielmehr auch im Interesse der verschiedenen weltanschaulichen Gruppierungen. Auch der Humanismus tritt für die Weltanschauungsfreiheit anderer Weltanschauungen ein. Deswegen soll auch weiterhin den Christen in Deutschland der Bau von würdigen Kirchen ermöglicht werden müsse.

Der Staat ist nicht verpflichtet, alle Weltanschauungen völlig identisch zu behandeln. Bei der Ausgestaltung des staatlichen Verhältnisses zu den verschiedenen Weltanschauungen sind die verschiedenen Weltanschauungen an ihrem konstruktiven Beitrag zu Staat und Gesellschaft zu messen, wenn der Staat seine Grundlagen und seine Freiheitsfähigkeit langfristig sichern will.

Ich bin besorgt über die zunehmende Kritik an humanistischen und atheistischen Haltungen. Eine kämpferische Gegnerschaft zur Kooperation von Staat und Humanismus gibt es seit jeher; verheerend ist jedoch die zunehmende Unkenntnis über die Funktion von Aufklärung und Humanismus im freiheitlichen Rechtsstaat und über das Verhältnis von Staat und Weltanschauung, die eine angemessene Einordnung solcher Kritik am Humanismus verhindert.

Grundsätzlich ist die Ausgestaltung der weltanschaulichen Freiheiten in Deutschland positiv. Das entpflichtet den Staat und die Weltanschauungen nicht, sich auch den Herausforderungen zu stellen, die sich durch zunehmend aufkeimenden Missionseifer und auf Religion beruhende Intoleranz ergeben. Die Humanisten scheuen eine solche Diskussion nicht; sie ist vielmehr auch aus atheistischer Sicht durchaus wünschenswert, um einerseits das Verhältnis des Staates gegenüber den verschiedenen Weltanschauungen deutlich zu machen sowie um andererseits das Verständnis für das bestehende Verhältnis von Staat und Weltanschauungen zu schärfen.

Im Bayerischen Landtag sollten aktuelle Gegenwarts-Themen aus verschiedenen Blickwinkeln diskutiert werden. Aus diesem Grunde sollten auch Sprecher aus dem humanistischen und atheistischen Bereich eingeladen werden.

Dieser Artikel ist eine Antwort auf die Aussage von Reinhard Marx im Bayerischen Landtag und spiegelt nicht in jedem Detail die Meinung des Autors wider. Manche Stellen sind total unsinnig. Manche aber auch nicht 😉

Bildquelle: Wikipedia

Evangelikale Mission

Kein Zweifel: die Ermordung der beiden Frauen im Jemen in der ersten Jahreshälfte 2009 war eine barbarische Tat, die aufs schärfste zu veruteilen ist.
Es muß aber die Frage erlaubt sein, wie es dazu kommen kann, daß Menschen Ihr Leben aufs Spiel setzen, um Ihren Glauben verbreiten zu wollen. Möglicherweise wurden diese Menschen soweit indoktriniert, daß Ihre Urteilsfähigkeit nur noch eingeschränkt vorhanden ist? Ein Panoramabericht der letzten Woche, gesendet in der ARD, zeigt die dunklen Seiten evangelikaler Mission. Selbst eine evangelische Bischöfin, die zu Anfang des Berichts noch latent die Evangelikalen verteidigt, ist durch die gewaltbereiten Missionierungsvideos entsetzt.

Christliche Wurzeln?

Der Papst hat Tschechien besucht und dort auf die „christlichen Wurzeln“ (siehe z.B. eine Meldung von Reuters) hingewiesen. Was könnte er damit meinen? Gehören dazu auch Hexenverbrennungen, Unterdrückung von anderen Meinungen, Unterdrückung von Frauen, sexuelle Komplexe und, nicht zuletzt, irrationaler Glauben? Man darf gespannt sein – hat diese Predigt eine Wirkung auf die tschechischen Bürger – oder ist ihnen einfach egal, was der Papst von sich gibt? Und: wird endlich jemand definieren, was genau christliche Wurzeln, und, auch interessant, christliche Werte sind? Was ist das Alleinstellungsmerkmal der angeblich so moralischen christlichen Ethik? Westeuropäische Gesellschaften werden oft mit „christlicher Kultur“ tituliert – doch niemand erklärt, was damit gemeint ist. Wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, daß diese sogenannten christlichen Werte oft eher gegen denn durch die Kirche etabliert wurden. Werte gibt und gab es in vielen Gesellschaften – auch ohne das Christentum.